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Wenn Rechtecke Kunst sind

Artikel vom 15.09.2011 in der Frankfurter Neuen Presse
Von Georgia Lori

Der Schönecker Künstler Jörg Schönegge eröffnet morgen in der Kulturscheune eine Bilderschau.

Weniger ist mehr, meint der Schönecker Künstler Jörg Schönegge. Und Rechtecke können Kunst sein. Man muss nur ein wenig genauer hinschauen. Gelegenheit dazu gibt es morgen. Dann eröffnet Schönegge seine Ausstellung in der Kulturscheune.

Einfache Formen müssen nicht heißen, dass auch die sinnliche Erfahrung eine einfache ist, sagt Jörg Schönegge. Im Gegenteil: Die einfache Form kann mit sehr subtilen und komplizierten Wahrnehmungsprozessen verbunden sein. Wie das funktioniert, zeigt Schönegge in seinen 15 Acrylbildern auf Leinwand. Diese bilden den Schwerpunkt der Ausstellung "Elementare Konstellationen", die am morgigen Freitag in der Kulturscheune am Technischen Rathaus eröffnet wird.

Die Bilder stellen die Gestaltungspsychologie der Wahrnehmung in den Mittelpunkt. "Ich habe einen Hang zur Strenge, was die Gestaltung betrifft", sagt der Künstler, während er die Verpackungsfolie von einem Bild entfernt.

Elementares verblüfft

Beim Entwerfen der Bilder arbeitet er mit elementaren Wahrnehmungsgegebenheiten. Dabei setzt Schönegge Helligkeits- und Farbkontraste, die Räumlichkeitswirkung von Farben und die Wirkung der Flächen von Farben miteinander in Beziehung. Was dabei herauskommt, erklärt der Büdesheimer an dem Bild "Drei Rechtecke auf Schwarz". Zwei blaue Rechtecke stehen sich da auf schwarzem Grund gegenüber, dazwischen dominiert ein schmales grünes Rechteck. Eine scheinbar einfache Bildkomposition. Doch der Teufel steckt im Detail.

Alle Werke Schönegges erreichen bei sensibler Betrachtung eine höhere Komplexität, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. In der Reihung der Rechtecke gliedert sich das mittlere aus, durch seine stark abweichende Farbe und Form, und scheint aus dem Bild heraus zu fallen. "Das helle Objekt ist uns als Betrachter näher, dadurch gliedert es sich nach vorne aus", beschreibt Schönegge den Effekt.

Für den 1940 in Stolp in Pommern geborenen Künstler ist die senkrechte Raumrichtung die primäre. Denn bereits im Mutterleib spüre der Mensch die Erdanziehung, zugleich verfüge er dank der Evolution über ein Gleichgewichtsorgan im Innenohr, sagt er. Auch seine starke Leidenschaft zur minimalistischen Kunst verschweigt der Künstler nicht. Piet Mondriaan ist sein großes Vorbild: "Von ihm habe ich viel gelernt."

Konkret und klar

Schönegge beschreibt seinen eigenen Stil als Konkrete Kunst. Durch die visuelle Herstellung von Beziehungen zwischen elementaren Wahrnehmungsbegebenheiten wie hell und dunkel, groß und klein, Zusammenziehung und Ausdehnung erschafft er eine klare, spannende Struktur im Bild.

Doch bei Jörg Schönegge sucht der Betrachter vergebens nach einem Liniengerüst mit Farbflächen, wie er es von Mondriaan gewöhnt ist. Schönegge konstruiert seine Bilder nach überschaubaren Prinzipien. Sie haben auch als Ganzheit ihren eigenen Ausdruck, eine eigene Ordnung und Schönheit.

Die Ausstellung wird von der Ersten Beigeordneten der Gemeinde Schöneck, Bärbel Neuer-Markmann (Grüne), und Bettina Pfeifer von der Kunstwerkstatt Schöneck-Nidderau eröffnet. Zur Einführung spricht Professor Horst Schwebel von der Universität Marburg.

© 2013 Frankfurter Neue Presse